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WIENINGER MAGAZIN
Christoph Grabner im Gespräch mit Herbert Fritzenwenger.
Christoph Grabner im Gespräch mit Herbert Fritzenwenger.

„Beim Golf bin ich ein Schuppenskiläufer“

Herbert Fritzenwenger aus Ruhpolding – sein Name ist fest mit dem Biathlon-Sport verbunden.

Er gilt als echter Experte. In den 80er Jahren war er selbst aktiver Biathlet. Seit fast drei Jahrzehnten ist er beim ZDF als Kommentator bei den Biathlon-Weltcups auf der ganzen Welt unterwegs. Aber nicht nur dem Biathlon-Sport ist Fritzenwenger verbunden. Auch das Golfspielen hat es ihm angetan. Als Präsident hält er die Zügel beim Golfclub Ruhpolding in der Hand. Dort findet einmal im Jahr auch das Max-Wieninger-Gedächtnis-Turnier statt. Wir haben uns mit dem umtriebigen Ruhpoldinger unterhalten.

Herbert Fritzenwenger
Im Winter dreht sich bei Dir alles um Biathlon, im Sommer um Golf. Was macht für Dich den Reiz dieser beiden Sportarten aus?

Biathlon ist für mich die faszinierendste Wintersportart, die es gibt. Dieser Kontrast zwischen der absoluten Belastung und dem Ruhen am Schießstand. Das ist einfach spannend. Es ist auch unglaublich schwierig, auch wenn´s oft so einfach ausschaut. Golf hat ganz ähnliche Aspekte. Man hat nicht so eine hohe Belastung, trotzdem muss man seine Bewegungen auf den Punkt und auf die hundertstel Sekunde genau einschätzen, damit das richtige Ergebnis rauskommt. Golf hat auch etwas sehr Entspannendes. Das ist wie Balsam auf die Seele. Es gibt für mich nichts Schöneres, was man in seiner wertvollen Zeit machen kann. 

Du warst früher selbst Biathlet, sitzt jetzt aber in der Kommentatorenkabine – stehst Du ab und zu noch auf Langlaufskiern?

Die werden schon immer mal wieder rausgezogen. Bei den Weltcups bin ich auch ab und zu mal zumindest ein, zwei Runden auf den Strecken. Das reicht mir dann aber schon. Man wird ja nicht jünger. Aber auch zu Hause auf der wunderbaren Panorama-loipe auf dem Golfplatz zum Genusslanglauf, zieht´s mich immer mal wieder hin.

Wie ist es damals überhaupt dazu gekommen, dass Du hinter das Mikrofon gewechselt bist?

Mehr oder weniger durch Zufall. Die deutlich erfolgreicheren Athleten Peter Angerer und Fritz Fischer waren auch am Mikrofon. Die wussten alle mindestens so viel wie ich, es hat sie nur niemand verstanden (lacht). Das war mein Vorteil. Ich konnte zumindest halbwegs hochdeutsch sprechen, so dass mich die Oma in Hamburg auch verstand. Hermann Ohletz, mein sehr geschätzter Freund aus ZDF-Zeiten, hat mich damals bei den Olympischen Spielen in Albertville gefragt, ob ich es nicht mal probieren möchte. Ich hab es probiert und zack, hat es funktioniert. Zumindest hat man mich gefragt, ob ich es nochmal machen würde und so ging´s dann weiter und jetzt sind 26 Jahre rum.

Du giltst in Deutschland als einer der anerkanntesten Biathlon-Experten, verblüffst immer wieder mit fundiertem Hintergrundwissen. Lernst Du das vor den Rennen auswendig oder kommt das spontan?

Ich schreib mir generell gar nichts auf. Ich mache das alles aus dem Bauch heraus. Ich lebe natürlich von meinem Erfahrungsschatz und bin nicht der Mann für die Statistiken. Meine Stärke ist es, die Rennen zu lesen und einzuschätzen. Aber ich recherchiere vorher natürlich viel. Das kann ich in der Regel abrufen, wenn es die Situation erfordert.

Während der langen Biathlon-Saison bist Du auf der ganzen Welt unterwegs. Wie froh bist Du, wenn der Winter zu Ende geht und Du im Frühling wieder auf den Golfplatz kannst?

Jede Jahreszeit hat bei uns ihren Reiz. Insbesondere aber das Frühjahr, wenn man wieder Golfspielen kann. Nach einem langen Winter, so wie in diesem Jahr, ist es ein Genuss, wieder in diese schöne Ecke zu kommen. Es ist nirgends schöner auf der Welt, hab ich schon festgestellt. Insofern geht mir jedes Mal wieder das Herz auf, wenn ich wieder heimkomme.

Viele Biathleten sind auch auf dem Golfplatz anzutreffen. Fritz Fischer und Andi Birnbacher sind beispielsweise begeisterte Golfer. Liegt das an Dir oder gibt’s dafür einen anderen Grund?

Das liegt sicher nicht an mir. Das liegt an dieser schönen Sportart, die sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Biathlon hat. Das Spiel an sich muss einen überzeugen. Ich trage natürlich bei jedem gerne meinen Beitrag dazu bei, dass die Leute gerne zu uns kommen und sich wohlfühlen.

Wie würdest Du dein persönliches Golftalent beschreiben?

Wenn man das auf den Langlauf oder auf das Biathlon bezieht, dann würde man wohl sagen, dass ich ein Schuppenskiläufer bin (lacht). Mehr nicht. Das, wie ich Golf Spiele, hat nichts mit Leistungsgolf und schon gar nicht mit Weltklassegolf zu tun. Ich betreibe das Golfspiel als Freizeitbeschäftigung und habe auch sonst keine Ambitionen.

Du bist auch als Organisator von großen Veranstaltungen bekannt. Unter anderem hast Du die World-Team-Challenge auf Schalke ins Leben gerufen. Außerdem hast Du im vergangenen Jahr beim Golf-Club München-Riem erstmals die Golf-World-Team-Challenge organisiert. Was treibt Dich an?

Ich glaube, dass man die Dinge besser machen kann. Bei der Biathlon-World-Team-Challenge ist uns das sicher gelungen. Die Einführung der Mixed-Staffel war richtungsweisend. Beim Golf ist es halt so, dass der Sport stinklangweilig ist – zumindest für die Zuschauer im Fernsehen. Das muss anders werden. Deshalb muss man Formate zeigen, die jeder versteht. Das habe ich eben mit der Golf-World-Team-Challenge versucht zu zeigen. Das Ganze kam auch sehr gut an. Und das ist das, was mich reizt. Sich was auszudenken, das dann umzusetzen und zu sehen, ob es funktioniert.

Biathlon hat es in den 90er Jahren von einer Randsportart zum Publikumsmagneten mit Top-Einschaltquoten geschafft. Ist so eine Entwicklung im Golf auch denkbar?

Das ist durchaus denkbar. Dafür müssen aber die Veranstalter und Medien an einem Strang ziehen. Es kann einfach nicht sein, dass man vier Tage Golf spielt und erst dann steht ein Sieger fest. Wenn das nicht nach einer Stunde feststeht, wer da gewonnen hat, dann interessiert´s auch niemanden. Und es muss natürlich auch der sportliche Erfolg her. Ich würde ein Nationalteam bevorzugen. Damit können sich die Leute besser identifizieren. Golf ist allerdings sehr traditionell geprägt und die sind fast schlimmer als die Norweger im Langlauf.

Golf gilt allgemein ja als Sportart der Schönen und Reichen. Gilt das immer noch?

Der Schönen auf alle Fälle (lacht), der Reichen jetzt vielleicht nicht. Wir in Ruhpolding leben dieses Klischee sicher nicht. Wir sind ein Sportverein für jedermann. Bei uns spielen alle Schichten. Die Palette reicht vom Stammtisch bis zum Autofanclub. Bei uns ist alles dabei und so soll´s auch sein.

Wenn Du Dich entscheiden müsstest – Biathlon oder Golf?

Golfbiathlon … haben wir auch schon gemacht, hier bei uns auf der Anlage (lacht).

Vielen Dank für das Interview!

Redaktion: Christoph Grabner

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