WIENINGER MAGAZIN
GingerWood: "Holz ist ein Material, was seinen eigenen Kopf hat."
GingerWood: "Holz ist ein Material, was seinen eigenen Kopf hat."

Mit Holz, Herz und Hand – der Drechsler aus Leidenschaft

Ginger Wood - ein Mann und sein Handwerk.

Menschen sollte man nicht nach ihrem Äußeren beurteilen. Und dies beweist uns Franz Josef Keilhofer aus Bischofswiesen. Rein äußerlich erinnert er an einen Hipster aus Berlin. Jedoch merkt man schnell, dass er mehr ist, als ein etwas außergewöhnlich aussehender Mann. Wir haben dem Drechsler aus Leidenschaft einige Fragen gestellt. Franz Keilhofer über seine große Leidenschaft, seinen körpereigenen Schutzschirm und wie er mit seiner Depression fertig geworden ist.

In seinem Buch "Mit Holz, Herz und Hand" beschreibt GingerWood seine Erfahrungen mit Depressionen.
In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk wirst Du als „Holzhipster“ bezeichnet. Ist das eine Bezeichnung, mit der Du leben kannst oder sagst Du, da wirst Du zu sehr in eine Schublade gesteckt?

Grundsätzlich kann ich verstehen, warum solche Begriffe verwendet werden. Und natürlich kann sich jeder etwas darunter vorstellen oder hat zumindest ein bestimmtes Bild im Kopf.  Ich selber würde mich aber nie so bezeichnen. Es gibt Leute, die sich selber wohl als Hipster-Handwerker sehen. Aber eigentlich bin ich ja das, was die Hipster versuchen, nachzuahmen. Mit Karohemd und Holzfällermontur durch die Stadt zu laufen, das ist ja eigentlich eher der Versuch dessen habhaft zu werden, was ich halt mache. Im Endeffekt sehe ich die Hipster eigentlich als Kopie von Leuten wie mir, die wirklich Handwerker sind und die wirklich mit Holz und mit den Händen arbeiten.

Im Drechseln hast Du Deine Berufung gefunden. Was macht für Dich ausgerechnet dieses Handwerk aus?

Das Schöne am Drechseln ist, dass ich von Anfang bis Ende alles selber machen kann. Wir haben einen kleinen Wald. Bei uns in der Gegend gibt es sowieso viel Holz und viele Bäume. Ich fälle selbst, kann das Holz aufschneiden, kann es vordrechseln, kann es trocknen, kann dann die Fotos von den fertigen Sachen machen und bin letztlich auch der, der den Kunden das fertige Teil in die Hände drückt. Das einzige worauf ich angewiesen bin, ist eben, dass jemand meine fertigen Sachen kauft. Davon abgesehen ist Holz ein Material, das man sehr leicht formen kann, wenn man es versteht, es aber trotzdem einen eigenen Kopf hat. Das heißt: Wenn ein Stück Holz keine Schale werden möchte, dann kann ich das dem auch nicht aufzwingen. Ich kann zwar mittlerweile sehr viel machen, aber wenn das nicht drinsteckt, dann kann ich das nicht rausholen. Das ist eine ganz eigene Faszination.

Du hast mal gesagt, du bist Bartträger, seit Dir Haare im Gesicht gewachsen sind. Könntest Du Dir vorstellen Deinen Bart auch mal abzurasieren?

Ehrlich gesagt, kann ich die Faszination für diesen Bart immer nicht ganz nachvollziehen. Es gibt halt Leute, die macht das nicht unbedingt schöner, wenn sie sich den Bart abrasieren. Zu denen zähle ich mich selber auch. Außerdem gibt der Bart meinem Gesicht einen gewissen Schutz. Er ist praktisch ein körpereigener Schutzschirm. Wenn man, so wie ich, helle Haut und rote Haare hat, dann ist die Sonne der größte Feind, den man hat. Da ist der Bart schon ganz praktisch. Außerdem zieht´s mir die Pickel auf, wenn ich mich rasiere, was auch ein sehr großer Grund ist, den Bart einfach zu lassen. 

Du bist ja ein Multitalent. Du modelst, warst Werbeträger für den Tourismus in Bayern, warst Frontmann einer Hardcore-Punkband, fotografierst, gibst Nachhilfeunterricht in Mathematik und bist Drechsler. Woher kommt dieses Interesse für so viele unterschiedliche Dinge?

Das einfach Dinge, die in mir drinstecken und die ich gern mache. Zumindest das Meiste davon. Es ist natürlich schon auch so, wenn man ein traditionelles Handwerk macht, in dem man Dinge herstellt, die keiner unbedingt braucht, dann ist das schon sehr hart verdientes Geld. Das ist schon ein Luxus, den man sich leisten können muss. Deshalb mache ich nebenbei diese Nachhilfe. Das ist für mich spannend, weil es mich selber auch interessiert. Modeln ist jetzt eher eine Sache, die ich wirklich nur wegen dem Geld mache. Da ist am Anfang die Vorstellung ganz nett, auf einem Katalog vorne drauf zu sein. Das ist aber für mich jetzt keine Welt, in der ich mich zu Hause fühle. Ich gehe da halt hin und mache das. Dann fahr ich wieder heim und bin auch ganz froh, dass ich darüber hinaus nichts damit zu tun habe. Die Band gibt’s mittlerweile nicht mehr. Wobei die Musik natürlich nichts ist, die man mit der Band beendet. Die Fotografie ist zum einen für mich halt wichtig, um meine gedrechselten Sachen schön in Szene zu setzen. Generell mache ich aber nur Dinge, hinter denen ich auch stehe. Und da ist das Drechseln eine große Herzensangelegenheit für mich.

Das heißt also auch: Vom Drechseln alleine könntest Du nicht leben, oder?

Es wäre auf jeden Fall sehr schwierig. Es ist halt so, dass mir diese ganzen Nebentätigkeiten schon eine gewisse finanzielle Sicherheit geben. Leider ist es auch so, dass meine mittlerweile größere Bekanntheit nicht wirklich dazu geführt hat, dass es einfacher wird. Ich hab halt erkennen müssen, dass der Markt begrenzt ist. Wenn ich viel in der Zeitung, im Fernsehen und im Radio bin, dann verkaufe ich ein bisschen mehr. Wenn ich diese Zeit nicht aufwende, dann verkaufe ich eben weniger. Unterm Strich ist es so, dass es nur eine gewisse Anzahl an Menschen gibt, die sich für solche Sachen interessieren. Die finden dann meistens auch selber zu mir, wenn sie eben auf der Suche sind.

Bleibt bei so vielen Aufgaben und Beschäftigungen noch Zeit sich mal einfach gemütlich auf die Couch zu legen und nichts zu tun?

Meine Freundin und ich haben irgendwann mal beschlossen, dass wir am Sonntag nicht mehr arbeiten. Zumindest von ein paar Ausnahmen abgesehen. Das heißt, dass wir pro Woche einen freien Tag haben. Selbst wenn man, so wie wir teilweise, von sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends arbeitet, hat man immer noch den Abend. Selbst wenn man zwischendrin dreizehn Stunden gearbeitet hat. Also, es ist schon so, dass ich Zeit zum Durchschnaufen hab. Die Gefahr ist halt, wenn man so viel arbeitet und diese Arbeit auch gern macht, dass man dann in der Freizeit nichts mit sich anzufangen weiß. Das ist halt immer das, wo ich versuche dran zu bleiben und eben zwischendrin mal eine Pause reinhaue, um eben nicht zu verlernen, was man macht, wenn man eben grad mal nichts macht.

Du hast Dich bewusst dafür entschieden hier im Berchtesgadener Land zu leben. Gibt´s auch manchmal Momente, in denen Du lieber in der Anonymität der Großstadt untertauchen würdest?

Ich kann ganz klar sagen, dass das nichts für mich wäre. Ich glaube, dass das auch nicht jeder verstehen kann. Bei mir ist es eben auch so, dass unser Haus schon seit Jahrhunderten in Familienbesitz ist. Ich bin hier aufgewachsen. Als Kinder waren wir hier im Wald, auf den Feldern und mit den Eltern im Stall. Durch diesen engen Kontakt mit dem Land verwurzelt man eben ganz anders. Es ist nicht nur so, dass das hier ein schöner Fleck ist. Das ist einfach ein Ort, der über das Heimatgefühl hinausgeht. Da hängt nicht nur meine berufliche Existenz dran, sondern auch meine persönliche Existenz. Natürlich bin auch mal gerne wo anders. Ich fahre einmal im Jahr international in Urlaub. Ich bin jedes Jahr eine Woche in Berlin. Um eben das was man hier nicht hat auch erleben zu können. Aber darüber hinaus besteht die Frage, weg zu gehen, nicht.

In Deinem Buch "Mit Holz, Herz und Hand" beschreibst Du auch einen Teil Deines Lebens, der nicht so schön war. Und zwar als Du an einer Depression gelitten hast. Wie geht’s Dir jetzt?

Ich weiß nicht, ob man von so einer Krankheit jemals geheilt ist. Ich denke mal, dass da immer eine gewisse Anfälligkeit besteht. Aber wer halt mit so etwas mal zu tun gehabt hat und wer auch eine Therapie gemacht hat, weiß, dass es in erster Linie darum geht, zu merken, wenn man sich in gewisse Situationen oder irgendwelche Abhängigkeiten begibt, die einem selber nicht guttun. Es gibt schon Situationen, wo ich merke, dass ich aufpassen muss. Im Gegensatz zu früher erkenne ich diese Situationen jetzt und weiß, dass ich das nicht machen darf, weil dann die Gefahr besteht, dass ich in irgendeine Richtung abdrifte. Ganz klar muss ich sagen, dass das eben auch ein Teil meines Lebens war, ohne den ich jetzt auch nicht so glücklich wäre. Dadurch habe ich in meinem Leben auch einige Dinge verändert. Die Tatsache, dass ich jetzt so ein erfülltes Leben habe, ist sicher darauf zurückzuführen, dass es eben eine Zeit lang nicht so war. Wenn ich in die Zukunft schaue, dann sehe ich eigentlich nicht die Gefahr, dass ich an diesen Punkt von damals zurückkomme.

Wie hast Du einen Ausweg aus der Depression gefunden?

Grundsätzlich sind die Dinge, die ich geändert habe, persönliche Dinge, über die ich eigentlich nicht reden mag und auch nicht reden muss. In meinem Buch erfährt man etwas mehr darüber. Im Großen und Ganzen ist es so, was ich erzählen mag, dass mir das Handwerk sehr dabei geholfen hat. Diese klassische Niedergeschlagenheit, dieses Depressive war bei mir gar nicht so das Problem. Bei mir hat sich das hauptsächlich körperlich manifestiert. Ich habe nicht mal eine Treppe rauf gehen können, ohne mich zu fühlen, als hätte ich gleich einen Herzinfarkt. Dafür habe ich den ganzen Tag in der Werkstatt stehen können, ohne dass mich das angestrengt hat. Wenn man in einer Lebenssituation ist, in der einmal am Tag duschen, sich wie ein riesiger Erfolg anfühlt, da ist es natürlich großartig eine Arbeit zu finden, die man den ganzen Tag machen kann, ohne dass die einen erschöpft und die einen auch noch erfüllt.

Gibt es einen gedrechselten Gegenstand, auf den Du ganz besonders stolz bist?

Ich mache ja ziemlich viele Stücke. Das meiste, was ich mache, sind Holzschalen. Da hängt meine Leidenschaft dran. Gefäße interessieren mich einfach. Und da ist es schon so, dass jeder 100. oder jede 200. besser ist, als alle anderen. Ich versuche natürlich jede so gut wie möglich zu machen, bin da aber doch sehr kritisch. Wenn ich fertig bin, dann denk ich mir immer wieder, dass man das ein oder andere noch besser hätte machen können. Aber zwischendrin sind halt mal Stücke dabei, bei denen man vergeblich nach Fehlern sucht. Das sind dann eben die Stücke, die mir besonders am Herzen liegen. Nachdem man sich das als Selbständiger halt auch nicht anders leisten kann, bin ich dann aber auch glücklich, wenn ich diese Stücke verkaufen kann. Und dann weiß ich auch, dass es irgendwann wieder ein neues Stück geben wird.

Hast Du eine Lieblingsholzart?

Besonders viel arbeite ich mit der Esche. Die ist unglaublich vielfältig. Ich kann zehn Schalen aus Esche nebeneinanderstellen. Die schauen alle aus, als wären sie aus unterschiedlichem Holz gemacht. Das ist schon sehr spannend. Darüber hinaus sind es immer die Holzarten, die man am wenigsten hat, die man am liebsten verarbeitet. Apfelbaum ist zum Beispiel so ein wunderbares Holz oder grundsätzlich Obsthölzer. Meistens sind es einzelne Stücke von einem Baum. Jeder Baum hat so ein, zwei Stücke, die wirklich ganz Besonders sind. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich ein Lieblingsholz habe. Es gibt aber bei jedem Baum, den ich verarbeite, ein, zwei Lieblingsstücke, die sich eben ganz besonders gut verarbeiten lassen, die eine außergewöhnliche Maserung haben, die einfach irgendwas haben, dass sie vom umgebenden Holz unterscheidet.

Vielen Dank für das Interview!

Redaktion: Christoph Grabner

Fotos: Herzflimmern - Nadine Schachinger

Wieninger Teisendorfer Hell mit Glas

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