WIENINGER MAGAZIN
Im Interview mit Dr. Peter Loreth
Im Interview mit Dr. Peter Loreth

Nachhaltigkeit inklusive - die Biosphärenregion Berchtesgadener Land

Dr. Peter Loreth über die Lebensqualität und Biosphärenregion.

Die Berge sind hoch, die Lebensqualität ebenfalls: Im Berchtesgadener Land lässt es sich gut leben. Damit das so bleibt, gibt es die Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort entsteht eine Modellregion für nachhaltige Entwicklung – zum Wohle der jetzigen und kommenden Generationen. Vom Leiter der Biosphärenregion BGL, Dr. Peter Loreth, haben wir interessante Details über das Projekt erfahren.

Dr. Peter Loreth
Was ist eine Biosphärenregion?

Das Berchtesgadener Land hat die Auszeichnung Biosphärenregion 1990 von der UNESCO erhalten. Damit haben wir auch einen Auftrag bekommen. Wir gehören zum Weltnetz ausgewählter Regionen, die nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklichen sollen. Wir sind kein klassisches Schutzgebiet, sondern eine Modellregion, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.

Welche Ziele haben Sie mit der Biosphärenregion?

Alles bekannter zu machen und zu vermitteln, was es heißt, nachhaltig zu leben. Jeder soll wissen, was er machen kann, um künftigen Generationen die heutige Vielfalt zu erhalten: Wie kann ich energie- und ressourceneffizient leben oder Produkte einkaufen, bei denen es nicht zu Ausbeutung oder Verschwendung kommt? Es geht darum, die Potenziale der UNESCO-Auszeichnung für die Region aufzuzeigen und mit den Akteuren vor Ort zu nutzen.

Wie sehen die konkreten Pläne aus?

Wir wollen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ein Partnernetzwerk aufbauen. Dabei setzen sich ausgezeichnete Partner zusammen und überlegen: Was macht uns im Berchtesgadener Land aus? Wie hoch legen wir unsere Latte, damit wir authentisch und glaubwürdig rüberkommen? Welche Mindestanforderungen und Kriterien müssen Partner der Biosphärenregion erfüllen? Die Betriebe sollen sich als Botschafter für Nachhaltigkeit und Qualität verstehen. Es steht allen Betrieben im Landkreis offen, sich an diesem Netzwerk zu beteiligen. Dabei geht es um kurze Wertschöpfungsketten, regionale Vernetzung und Zusammenhalt.

Was ist sonst vorgesehen?

Wir wollen Produkte und Dienstleistungen mit dem Prädikat „Qualität aus der Biosphärenregion“ auszeichnen. Damit tut sich der Verbraucher leichter, wenn er naturbewusster und nachhaltiger leben will.

Wie schwierig ist es, ein Umdenken zu bewirken?

Nachhaltigkeit betrifft alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Daher können wir jeden erreichen. Das ist mit einer kurzfristigen Werbeaktion oder einem Schild nicht möglich. Man muss es erklären. Der Begriff „Biosphärenregion“ erschließt sich nicht so einfach wie „Nationalpark“. Aber es lohnt sich. Wenn jeder sein tägliches Verhalten ein bisschen umstellt, ist viel erreicht.

Was kann denn jeder Einzelne tun?

Jeder kann regionale Produkte kaufen oder Dienstleistungen vor Ort in Anspruch nehmen. Die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen aus der Region ist ein wichtiger Faktor. Man kann viel beim Mobilitätsverhalten machen:

Mal das Auto stehen lassen, zu Fuß gehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad fahren. Zu Hause kann jeder Strom sparen und effizienter heizen. Wenn das viele machen, hat das große Auswirkungen.

Dafür muss jeder seine Komfortzone verlassen. Womit haben Sie zu kämpfen, wenn Sie das zu vermitteln versuchen?

Bequemlichkeit zu bekämpfen ist nicht einfach. Deshalb muss man einen Aufhänger finden. Dazu eignet sich unsere großartige Landschaft mit ihrem hohen Erholungswert und wunderbaren Artenvielfalt hervorragend. Wenn man den Menschen veranschaulichen kann: „Ihr genießt alle diese Landschaft – tut etwas dafür, dass sie erhalten bleibt“, dann kann man sie dazu bewegen, ihr persönliches Verhalten zu ändern.

Höher, weiter, steiler: Im Wettbewerb um Touristen setzen viele Alpenorte auf spektakuläre Erlebniswelten. Im Berchtesgadener Land scheint der Trend in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Wie sehen Sie das?

Es wäre wichtig, wenn es in die entgegengesetzte Richtung gehen würde. Die Landschaft ist eine wichtige Grundlage für unseren Tourismus. Viele Gäste wollen bunte Bergwiesen, Kühe auf der Weide, schöne Häuser und Ortszentren sehen. Um diese Grundlagen zu erhalten, müssen wir in Richtung nachhaltigen Tourismus denken. Viele Gäste erwarten vom Berchtesgadener Land das Authentische. Sie wollen auf der Speisekarte Regionalprodukte und keine Discounterware.

Weltweit gibt es rund 600 Biosphärenreservate. Was macht das Berchtesgadener Land besonders?

Wir sind das einzige alpine Biosphärenreservat Deutschlands. Die kleinstrukturierte bäuerliche Kulturlandschaft bietet eine landschaftliche Vielfalt ohnegleichen. Dazu ragen unsere Almen als Natur- und Kulturgut heraus. Außerdem haben wir in Deutschland sehr strenge Kriterien. Wir nehmen im UNESCO-Weltnetz eine Vorreiterrolle ein.

Sie sprechen mit zahlreichen Projekten gezielt Kinder an – wieso?

Kinder sind unsere Zukunft und haben eine Multiplikatorenfunktion. Wenn Kinder etwas lernen und mit nach Hause nehmen, kann sich die Familie in ihrem Verhalten umstellen. Kinder sind außerdem sehr begeisterungsfähig. Wenn man mit ihnen in die Natur hinausgeht, kann man deren Schönheit vermitteln – und damit auch die Notwendigkeit, etwas für ihren Erhalt zu tun.

Vielen Dank für das Interview!

Redaktion: Christoph Grabner
Fotos: Josefine Unterhauser

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